Grußwort
Liebe Oppenheimerinnen, liebe Oppenheimer, verehrte Festspielbesucher,
“Kunst ist das letzte Werk auf Erden, das Gott nicht vollendet hat”. Das Zitat des US-amerikanischen Architekten und Bildhauers Donald Judd skizziert den Charakter der 23. Oppenheimer Festspiele haargenau. Unter dem diesjährigen Festspielmotto “Gott und die Welt” erwartet Sie alle auch 2012 wieder die gewohnte und beliebte Vielfalt kultureller Schaffenskraft auf den Bühnen in der Burgruine und im Kulturkeller am Amtsgerichtsplatz. Einziger Unterschied: Das Festspielprogramm ist schlanker geworden. Dabei haben wir auf Qualität statt auf Quantität gesetzt, um Ihnen, unserem geschätzten Festspielpublikum, ein noch attraktiveres und hochwertigeres Programm zu erschwinglichen Preisen zu präsentieren. Kurzum: Wir konnten erfolgreich die Kosten für die Festspiele reduzieren und gleichzeitig die Wertigkeit dieses Oppenheimer Aushängeschilds deutlich voranbringen.
Konkret warten also auf Sie erneut echte Leckerbissen aus den Bereichen Theater, Musik und Kabarett. So gastiert etwa die Shakespeare Company Berlin mit dem Evergreen “Romeo und Julia” und der weltbekannten Geschichte einer Liebe im Spannungsfeld einer Familienfehde. Die Freie Bühne Neuwied erobert die Bühne mit dem witzig-anarchischen Stück “Die Olchis räumen auf”, das neben der bizarren Handlung mit schmissigen Songs den Kulturkeller am Amtsgerichtsplatz durchkneten wird. Clajo Herrmann, Mitte 50, Anteilseigner einer Paarbeziehung, berichtet unsentimental, klischeegetreu, ergebnisoffen über die Wirren der Besorgungen in “Kann ich mal Probeliegen? – Ein Mann geht einkaufen”. Die dankenswerte Kooperation mit dem Gymnasium zu St. Katharinen erlaubt uns mit “SUPERMARIOnetten” und “ICH WÄER SONST” einen Einblick in die Lebenswirklichkeit junger Erwachsener, ihre Erwartungen, Hoffnungen, Frustrationen, Ängste und Abhängigkeiten. Mit dem “Kriminalprozess Oppenheimer Rose” feiert der Förderverein der Festspiele ein gelungenes Heimspiel, in dem mittelalterliche Akteure vor ein Gericht im 21. Jahrhundert zitiert werden, um der Sage nach dem neiderfüllten Mord eines Steinmetzmeisters an seinem Lehrling auf den Grund zu gehen. Und natürlich kommen auch alle Freunde des deutschen Schlagers nicht zu kurz, wenn uns bereits vor der Premiere die großartige Zusammenarbeit mit SWR4 das Schlagerfestival in der Burgruine beschert.
In diesem Zusammenhang danken wir allen beteiligten Ensembles, Helfern, Freunden und Förderern der Oppenheimer Festspiele auf das Herzlichste für Ihr Engagement, ohne das dieses Abbild kultureller Schaffenskraft nicht möglich wäre. Denn die genannten und viele weitere Programmhöhepunkte machen die diesjährigen Festspiele nicht nur zu einer reich gedeckten Tafel an kulturellen Leckereien für jeden Gusto, sondern zeigen auf neuartige und unkonventionelle Weise, dass Kultur in ihrer Essenz zu moderaten Preisen so vielfältig und anspruchsvoll sein kann, wie es etwa der Talmud beschreibt: “Der beste Prediger ist das Herz, der beste Lehrer die Zeit, das beste Buch die Welt, der beste Freund Gott.”
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen von Herzen, dass Ihnen ein weinendes und ein lachendes Auge den Blick auf “Gott und die Welt” schärfen und Ihnen die Frischzellenkur für die Bühnenvielfalt der Oppenheimer Festspiele 2012 ein bekömmliches und wohl schmeckendes Mahl garantiert.
Herzlichst Ihr Marcus Held, Stadtbürgermeister und
Marc Sittig, Beigeordneter für Kultur